Unser Taufstein

Der Taufstein des Bernhard Friedrich Lasdorff.

 

Vor kurzem erhielt ich eine Anfrage von einem Familienarchiv aus Berlin. Man hatte einen Vorfahren, der im 17.Jahrhundert in Lehre Pastor gewesen war. Die Anfrage konnte ich zum großen Teil beantworten.

 

Ausgegangen wurde von einem kleinen Druckstück, in dem ein Johann Conrad Dreyer, geboren 1672 in Braunschweig, Auskunft über sein Elternhaus und seine Jugend gab. Sein Vater war der Schuster Arend Dreyer. Seine Mutter Elisabeth Lasdorff war die Tochter des Pastors Bernhard Friedrich Lasdorff, vormals Pfarrer in Walsrode, später in „Lehre an der Schunter im Lande Lüneburg“. Der Enkel berichtet, daß er sich oft in Lehre aufgehalten habe.

 

Unser Taufstein, der neben dem Altar in der Kirche steht, trägt die großenteils verwitterte Inschrift: „Bernhard Friedrich Lasdorff  Pastor Lehr. Anno 1650 hoc p.... vit.“

Bis zum Jahre 1732 hat dieser Taufstein in der Kirche gestanden, wurde dann durch einen „schwebenden Engel“ ersetzt und erhielt seinen Platz im Pfarrgarten, wo er als Vase für Ziergewächse benutzt wurde.

Jener Lasdorff wurde am 21.Dezmber 1646 in Lehre eingeführt, noch während der katastrophalen Jahre des 30-jährigen Krieges. Er konnte 1648 den Friedensschluß von Münster und Osnabrück erleben, und er war es, der die halb verwüstet daliegende Kirche ab April 1649 wieder herrichten ließ. Das Dach wurde um zwei Ellen erhöht, die Decke in Stuck ausgeführt, eine Kanzel neu errichtet, die Wandmalereien angebracht und schließlich eine neue Glocke gegossen. Nach Beendigung der Instandsetzungsarbeiten wurde auch der Name des Patrons St.Laurentius abgelegt und der Kirche der Name „Zum Heiligen Kreuz“ gegeben.

 

Alle diese Arbeiten konnten aber von der verarmten Gemeinde nicht nur aus eigenen Mitteln ausgeführt werden, sondern es waren reichliche Spenden nötig. Auf der Spendenliste, die eine Summe von über 78 Thalern  ausweist, befinden sich außer Herzögen, Klöstern und Bürgern auch die Städte Lüneburg, Braunschweig und Fallersleben.

 

Bernhard Friedrich Lasdorff tat bis zum Jahre 1655 in Lehre Dienst. Wohin er versetzt wurde oder wo und wann er gestorben ist, darüber findet sich keine Nachricht.

Die Geschichte der Kirche in Lehre

840 n. Chr.   Erste Erwähnung im "Sachsen-Cartular" des Codex Eberhardi Archiv Marburg.

888 n. Chr.   erste urkundliche Erwähnung des Dorfes „Leri".

1214 n. Chr. Jahreszahl, die 1917 bei Reparaturarbeiten am Turm gefunden wurde.

15.Jhdt. Verlängerung des Kirchenschiffes zum Chor mit Apsis.

1489 n. Chr. Anbau der südlichen Taufkapelle (heute Treppenhaus).

1649 n. Chr. Abnahme des Kirchendaches, Erhöhung der Seitenwände um 2 Ellen, Spitzbogenfenster, Guß einer neuen Glocke (8,25 Zentner) „Zu Gottes Ehre in Lehre", umgegossen 1844,
Stuckdecke mit Facetten, Sternen, Fruchtrosetten, Engelsköpfen,
Umbenennung in „Zum Heiligen Kreuz", Wand- und Deckenbemalung im barocken Stil.

1650 n. Chr. Aufstellung des Taufsteins (noch im Renaissancestil).

1674 n. Chr. Guß einer zweiten Glocke (5 Zentner) „M.Friedrich Helmhold me fecit"

1766 n. Chr. Erneuerung der Empore (Prieche) in ihrer heutigen Form mit 20 Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament.
Die Kanzel wird an die Südwand verlegt (dargestellt auf einem Bild des Emporenzyklus).

1767 n. Chr. Renovierung der Kirchturmuhr.

1788 n. Chr. Bestellung einer Orgel (später: Aufbau der Orgel im Chorraum ).

1833 n. Chr. Übertünchung der Wand- und Deckengemälde mit Kalk.Die Emporenbilder wurden verklebt und mit weißer Leimfarbe überstrichen

1860 n.Chr.  Aufgabe des alten Kirchhofs als Begräbnisstätte.

19.Jhdt.   Anbringen zweier pyramidenförmiger Turmspitzen anstelle des ursprünglichen breiten Satteldaches.

1910 n.Chr.  Die originale barocke Bemalung wird wieder gefunden und von Adolf Quensen restauriert. Die in Resten vorhandene Lutherfigur wird an der Südwand wiedererstellt.

1960 Einschneidende Neugestaltung und Restaurierung des Innenraumes.Nach damaligem Zeitgeschmack: Abbruch der Altarwand im Chor, Chorfußboden und Altar aus Sand- und Kalkstein, Versetzen der Orgel auf die Empore, Übermalung der Barockfarben an den Wänden mit dunkleren Farbtönen.

1987 n. Chr. Restaurierung der Emporenbilder, Wiederherstellung der Wand- und Deckenvermalung im Sinne der Quensen'schen Fassung unter Bewahrung eines größtmöglichen Anteils des
barocken Urzustandes.

Quellen:
Paul-Jonas Meyer: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogtums Braunschweig (II.Bd. 1900)
Falko Rost: Daten zur Baugeschiche der Kirche in Lehre (Braunschweigische Heimat 77,1991)
Vitus Dettmer: Chronik von Lehre (gedruckt 1930.)

Zusammenstellung:
Wolfgang Wappler